Morgenlage Wirtschaft am Montag, 7. August 2017

Für Wirtschafts-Entscheider am Montag, 7. August 2017

– WIRTSCHAFTSNEWS –

Weil weist Vorwürfe zurück: Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil gerät zunehmend in die Kritik, weil er eine kritische Regierungserklärung zur Diesel-Affäre mit VW abgesprochen haben soll und VW-Mitarbeiter mehrere Passagen in dem Text entschärft hätten. Grünen-Chef Cem Özdemir warf Weil einen Verstoß gegen marktwirtschaftliche Prinzipien vor. Der niedersächsische FDP-Landesvorsitzende Stefan Birkner zeigt sich “sauer und empört” und sprach von einem “Unding”. Weil wies die Vorwürfe unterdessen zurück. Die Landesregierung habe sich an VW ausschließlich mit der Bitte um die Prüfung rechtlicher Belange und der Richtigkeit der Fakten gewandt.
faz.net, handelsblatt.com

Deutsche Fluggesellschaften verlieren Marktanteile: Die deutschen Fluggesellschaften wachsen, verlieren aber Marktanteile. Die Zahl der Passagiere im ersten Halbjahr ist nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft um fünf Prozent auf 76,8 Millionen gestiegen. Vor einem Jahr noch musste die BDL einen Besucherrückgang um 0,7 Prozent vermelden. Trotzdem macht sich der Verband Sorgen. “Deutsche Luftverkehrsunternehmen verlieren weiter Marktanteile”, warnt BDL-Präsident Stefan Schulte. Lufthansa, Eurowings, Air Berlin, Condor und TUI Fly stellten in der ersten Jahreshälfte nur noch 56 Prozent der verfügbaren Sitzplätze an, vor wenigen Jahren waren es 62 Prozent.
faz.net

Belgische Behörde wusste bereits im Juni von Verdachtsfällen: Bereits Anfang Juni sollen belgische Behörden erfahren haben, dass es ein Problem mit dem Pflanzenschutzmittel Fipronil geben könnte. Die Lebensmittelsicherheitsbehörde FASNK habe sich aber dazu entschieden, dies nicht öffentlich zu machen, um der Staatsanwaltschaft die Arbeit zu erleichtern. Pikant: Der EU-Kommission gemeldet wurden erste Fipronil-Fälle erst am 20. Juli. Am 22. Juli wurde das Gift in den Niederlanden in Eiern von sieben Betrieben entdeckt, auch in Deutschland wurden belastete Eier nachgewiesen.
spiegel.de, handelsblatt.com

Städte fordern Elektrobusse: Nahverkehrsbetriebe aus sieben deutschen Großstädten haben sich zu einer Initiative zusammengeschlossen, um den Umstieg auf emissionsfreie Busflotten möglich zu machen. Sie erhöhten dadurch den Druck auf die Automobilindustrie mit der Entwicklung von Elektrobussen voranzukommen. “Sie müssen zeigen, dass sie in der Lage sind, serienreife E-Busse zu liefern. Der Markt ist da,” sagte Henrik Falk, Chef der Hamburger Hochbahn, dem Spiegel.
spiegel.de

Steht die elektronische Gesundheitskarte vor dem Aus?: Ärzteverbände und Krankenkassen sehen elf Jahre nach Einführung der elektronischen Gesundheitskarte das Projekt als gescheitert an. Ursprünglich sollten dort Gesundheitsdaten wie Röntgenbilder, Rezepte oder Arztbriefe abgespeichert werden und den Informationsfluss zwischen den Ärzten zum Wohle des Patienten einfacher machen. 1,7 Milliarden Euro wurden in die E-Karte investiert. Bei den Krankenkassen macht angeblich die Runde, dass die Bundesregierung nach der Wahl das Projekt offiziell zu Grabe tragen will.
sueddeutsche.de

Zombie-Firmen bedrohen Wirtschaft: Eine Gefahr für die deutsche Wirtschaft geht nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung von sogenannten “Zombie”-Firmen aus. Etwa 17.702 Unternehmen könnten sich demnach nur deswegen über Wasser halten, weil sie sich dank niedriger Zinsen billiges Geld leihen könnten. Passend dazu sind die Firmenpleiten im vergangenen Jahr um ein Drittel zurückgegangen. “Die Niedrigzinspolitik der EZB destabilisiert die Banken und sie schadet der Wirtschaft”, sagt Gunther Schnabl, Professor für Wirtschaftspolitik an der Universität Leipzig. Der Wettbewerb werde dadurch zu ungunsten gesunder Unternehmen verzerrt, ganze Lieferketten könnten dadurch Schaden nehmen.
sueddeutsche.de

US-Arbeitslosigkeit auf niedrigstem Stand seit 16 Jahren spiegel.de
Flixbus warnt vor Busmaut handelsblatt.com
Martin Shkreli, der “meistgehasste Mann des Internets”, wegen Veruntreuung verurteilt sueddeutsche.de

– STRATEGIE & MANAGEMENT –

Neue Finanzkrise wegen Autokrediten?: Mit über 1.000 Milliarden Dollar sind die Amerikaner inzwischen in den Miesen, weil so viele von ihnen Autokredite aufgenommen haben. Ein Rekordwert, der Experten Sorgen macht. Denn viele dieser Kredite gelten schon jetzt als ausfallgefährdet. Das heißt, es ist bereits absehbar, dass etliche Schuldner ihr Darlehen nicht rechtzeitig zurückzahlen können. Sollten dann auch noch die Zinsen steigen oder sich die Wirtschaft in den USA abschwächen, könnten diese Kredite massenhaft ausfallen. Die deutsche Wirtschaftsweise Isabel Schnabel warnt deshalb vor einer neuen “krisenhaften Entwicklung”. Tatsächlich gibt es einige Parallelen zu dem, was vor zehn Jahren passiert ist.
tagesspiegel.de

Tesla führt die Großen vor: Als Elon Musk 2003 bei Tesla einstieg, hat die Autobranche ihn, wenn überhaupt wahrgenommen, müde belächelt. Der Diesel schien die Zukunftstechnologie, 2006 wurde in Europa erstmals mehr als die Hälfte aller Neuwagen mit Dieselmotor verkauft. Heute jedoch scheint der Zeitpunkt der Präsentation des neuen Tesla 3 kaum besser gewählt. Die deutschen Autohersteller sind in der Dieselkrise und Tesla hat schon alles, was bei den herkömmlichen Herstellern als Zukunftsmusik gilt: mindestens 350 Kilometer Reichweite, über 300 PS und ein Panorama-Glasdach, bereits jetzt teilweise autonom und Software-Updates ohne Werkstatt über Funk.
faz.net

– ANGEZÄHLT –

Nur 40 Prozent der Deutschen sehen Aufstiegschancen im eigenen Unternehmen. Sieben Prozent weniger als bei einer Studie des Beratungs- und Prüfungsunternehmens EY vor zwei Jahren. Außerdem: nur 38 Prozent wollen überhaupt Karriere machen. 2015 waren die noch 58 Prozent.
faz.net

– ZITATE –

“Per Sprachbefehl könnte man vieles einfacher bedienen. Ich weiß zum Beispiel, wo ich am Backofen Ober- und Unterhitze einstellen muss. Aber will mein Nachwuchs noch lernen, dass dieses Radioaktiv-Zeichen Umluft bedeutet? Ich kann mir vorstellen, dass in Zukunft ein Kuchen nur noch in den Ofen geschoben wird und wir sagen: Alexa, back mir einen Zwetschgendatschi!”

Amazon-Deutschland-Chef Ralf Kleber will Amazon nicht auf den Onlinehandel reduzieren. Mit dem smarten Lautsprecher Alexa ist man drauf und dran mit der Spracheingabe den Touchscreen abzulösen. Google und Apple folgen bereits.
tagesspiegel.de

“Die Air Berlin kann man, so wie sie heute ist, nicht retten. Die kannst Du auch in fünf Jahren nicht retten. Mit dieser Verschuldung, mit all den verkauften Fliegern, mit unglaublich hohen Leasing-Raten.”

Der Motorsport-Manager und Investor Niki Lauda glaubt nicht an eine gute Zukunft der Fluggesellschaft Air Berlin.
tagesspiegel.de

– AUS DER TAGESSPIEGEL MORGENLAGE FÜR POLITIK-ENTSCHEIDER –

Weil legt Textversionen mit Korrekturen von VW vor
Bewaffneter nach Schießerei in Sachsen auf der Flucht
Wulff soll für türkisches Modelabel arbeiten
FDP-Chef Lindner fordert Neustart der Russland-Beziehungen

Zur vollständigen Tagesspiegel Morgenlage für Politik-Entscheider:
morgenlage.tagesspiegel.de/politik

– PETITESSE –

Chinesen lieben Metzingen: Berlin, Prag, Wien und Metzingen. Das süddeutsche Metzingen ist bei Chinesen gefragt. 500.000 Touristen aus China kommen jedes Jahr in die Quelle-Stadt. Ihr Ziel: die dortigen Outletstores von Luxusmarken. Spezielle Events sollen nun die Geschäfte ankurbeln und noch mehr Chinesen nach Metzingen locken. Sogar mit chinesischem Verkaufspersonal ist alles auf die Shopping-Flut aus Fernost eingestellt.
handelsblatt.com

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