Morgenlage Wirtschaft am Montag, 25. September 2017

Für Wirtschafts-Entscheider am Montag, 25. September 2017

– WIRTSCHAFTSNEWS –

Berlin hat entschieden: Tegel soll offen bleiben: Neben der Bundestagswahl waren 2,5 Millionen Berliner aufgerufen, über den fristlosen Weiterbetrieb des Flughafen Tegel auch nach der Eröffnung des BER abzustimmen. Letzten Zahlen zufolge haben sich 57,4 Prozent dafür ausgesprochen, 42,6 Prozent dagegen. FDP und Berliner CDU hatten für den Weiterbetrieb geworben. Der Berliner Senat und die Berliner Flughafengesellschaft waren dagegen. Erfreut zeigte sich Tegel-Architekt Meinhard von Gerkan. Der Flughafen sei doch ideal für Passagiere, das Votum empfinde er als Anerkennung seiner Arbeit.
spiegel.de

Wirtschaft hofft auf stabile Regierung und Investitionen in die Zukunft: Vertreter von Wirtschaftsverbänden haben nach der Wahl Forderungen an eine neue Bundesregierung formuliert. Eric Schweitzer, Präsidiumsmitglied der Berliner IHK und Präsident des Dachverbandes DIHK sagte, der Wahlausgang mache die Regierungsbildung nicht leicht. Man brauche in diesen schwierigen Zeiten eine stabile Regierung und einen Koalitionsvertrag als Investitionsprogramm, der sich stark auf die Schlüsselthemen der Zukunft konzentriere. Die Volkswirte der Banken befassen sich derweil bereits mit einer möglichen Jamaika-Koalition. Komme es dazu, könne er sich aber nicht vorstellen, dass die FDP eine Europa-Politik mitmachen wird, die stark auf den französischen Präsidenten Macron zugeht, schrieb Jörg Kramer, der Chefvolkswirt der Commerzbank in einer ersten Analyse. Beim Thema Verbrennungsmotor könne es zu einem Kompromiss kommen, auch dürfte es Steuersenkungen geben.
tagesspiegel.de

Siemens und Alstom schmieden große Eisenbahnfusion: Siemens und der Konstrukteur des französischen Hochgeschwindigkeitszuges TGV wollen womöglich ihre Zugsparten zusammenlegen. Ein so fusioniertes Unternehmen soll seinen Sitz in Frankreich haben und an der Pariser Börse notieren. Siemens dürfte im Gegenzug, auch weil die deutsche Zugsparte etwas ertragreicher ist, die Mehrheit von über 50 Prozent der Stimmen erhalten. Entstehen soll Europas größter Eisenbahnkonzern mit mehr als 15 Milliarden Euro Umsatz.
faz.net, handelsblatt.com

Heute tagt der Air-Berlin-Verwaltungsrat: Am Montag um 11 Uhr trifft sich der Verwaltungsrat der Air Berlin, um über die Ergebnisse der Gläubigerausschusssitzung zu beraten. Dieser hatte am Donnerstag beschlossen, mit Lufthansa und Easyjet exklusiv weiterzuverhandeln. Formal muss der Verwaltungsrat, während die vorläufige Insolvenz in Eigenverwaltung läuft, den Entscheidungen der Gläubiger zustimmen. Nach derzeitigem Stand werden die Gespräche aber erst am 12. Oktober abgeschlossen sein. Dann müssen die Wettbewerbshüter zustimmen. Mit einem Ergebnis wird erst Ende des Jahres gerechnet. Eine Übernahme würde also erst zu Beginn von 2018 vollzogen werden können.
sueddeutsche.de

Autoindustrie darf Umrüstungskosten absetzen: Die Autoindustrie darf die Kosten für Millionen Software-Updates steuerlich absetzen. Dies berichtet die Süddeutsche Zeitung in Kenntnis von Angaben der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Linken. “Die den Herstellern entstehenden Kosten sind bilanzrechtlich Betriebsausgaben der Unternehmen”, heißt es dort. Konkret könnte das ein Steuerersparnis in Höhe eines dreistelligen Millionenbetrags bedeuten.
spiegel.de, sueddeutsche.de

Agrarminister wollen bei Glyphosat-Bericht nachhaken: Seit einigen Tagen ist bekannt, dass das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung wesentliche Teile ihres Risikoberichts für das Pestizid Glyphosat wortwörtlich vom Hersteller Monsanto abgeschrieben hat. Nun wird der Druck auf die Behörde immer größer. Am Donnerstag gab man zwar Fehler zu, wies aber die Plagiatsvorwürfe zurück. Die Wiedergabe von Passagen aus den Industrieberichten sei üblich. Wenn die Hersteller mit unabhängigen Studien “wissenschaftlich und methodisch korrekt interpretieren”, gäbe es keinen Grund dies umzuformulieren. Aber was wurde nun von der Behörde überhaupt geprüft? Die Agrarministerien der Länder wollen dies genau wissen und bei ihrem Treffen nächste Woche in Lüneburg erörtern.
sueddeutsche.de

Schwedischer Thyssen-Krupp-Großaktionär Cevian ist für die Fusion mit Tata Steel handelsblatt.com
Schweiz spricht sich in Volksabstimmung gegen eine Rentenreform aus spiegel.de
Wirte kassieren mit Schummelkassen am Fiskus vorbei welt.de

– STRATEGIE & MANAGEMENT –

Zuckerberg lenkt im Streit um Facebook-Aktien ein: Facebook ist mit dem Plan gescheitert, eine neue Aktienklasse ohne Stimmrecht einzuführen. So hätte neues Geld akquiriert werden sollen, ohne dass Chef Mark Zuckerberg an Stimmrecht und Kontrolle eingebüßt hätte. Investoren hatten sich gegen die Pläne gewehrt und geklagt. Facebook lenkt nun ein. Die gute Kursentwicklung kommt Zuckerberg zu gute. Er muss nun weniger Aktien verkaufen und kann noch für einen längeren Zeitraum die Kontrolle im Konzern behalten. Trotzdem ist das Paket, von dem sich Zuckerberg nun in den nächsten 18 Monaten trennen wird, um die 13 Milliarden Euro schwer.
faz.net

Bits & Pretzels schnappt sich Kevin Spacey: US-Hollywoodstar Kevin Spacey wird Partner der Münchner Start-up-Konferenz “Bits & Pretzels”. Dies gaben die Gründer Felix Haas, Bernd Storm und Andreas Bruckschlög und Spacey am Sonntag in München bekannt. Die Konferenz hat sich in den letzten Jahren gemausert: 5.000 Besucher sind in diesem Jahr für die dreitägige Veranstaltung nach München gekommen. 20 der 30 Dax-Konzerne schicken Vertreter nach München. Die Entwicklung in Deutschland und Europa sei beeindruckend, so Spacey und er freue sich, jetzt an ihr teilhaben zu können, sagte der Schauspieler und Regisseur und verschwand in Richtung Oktoberfest.
handelsblatt.com, sueddeutsche.de

– ANGEZÄHLT –

Zwischen 250 und 350 Millionen Euro Gewinn soll die Zerschlagung und der Verkauf von Teilen der Airline Air Berlin bringen. Klar ist damit auch: die Staatsbürgschaft des Bundes in Höhe von 150 Millionen Euro wird am Ende mehrere Millionen Gewinn für die Staatskassen abwerfen.
faz.net

– ZITATE –

“Das macht mir große Sorge. Es ist ein Ausdruck der Spaltung der deutschen Gesellschaft und unterstreicht, dass die Politik sich viel mehr als bisher auf Chancengleichheit und eine größere Teilhabe für mehr Menschen konzentrieren muss – im Bildungssystem, im Berufsleben, in den gesellschaftlichen Strukturen. Die Präsenz der AfD im Bundestag könnte die Polarisierung der Politik und der Gesellschaft weiter vorantreiben und von den wichtigen Zukunftsreformen ablenken.”

Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, macht sich nach dem deutlichen Einzug der AfD in den Bundestag Sorgen.
tagesspiegel.de

“Die AfD im Deutschen Bundestag schadet unserem Land.”

Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer sieht im Einzug der AfD ins Parlament ein Alarmzeichen für die deutsche Wirtschaft.
handelsblatt.com

– AUS DER TAGESSPIEGEL MORGENLAGE FÜR POLITIK-ENTSCHEIDER –

Große Koalition vor dem Aus
Bot-Netz unterstützt offenbar AfD
Jüdische Organisationen entsetzt über Wahlergebnis
SPD-Chef Schulz kritisiert Merkel

Zur vollständigen Tagesspiegel Morgenlage für Politik-Entscheider:
morgenlage.tagesspiegel.de/politik

– PETITESSE –

Uber-Kunden gegen die Behörden: Londons Transportbehörde hat am Freitag Uber die Lizenz entzogen, man habe Sicherheitsbedenken, Überprüfungen von Fahrern seien mangelhaft gewesen. Uber macht nun Stimmung gegen diese Entscheidung und forderte die Kunden auf, eine Online-Petition zu unterschreiben. Uber macht sich so zum Anwalt von Fahrern und Fahrgästen, dass man um die lukrativen Einnahmen bange, Nebensache. Nach gut 24 Stunden gab es bereits über 500.000 Unterzeichner. Kunden gegen die Behörden zu mobilisieren ist bewährte Uber-Strategie und hat bereits in Jakarta, Budapest, Toronto und Portland zumindest teilweise zu Zugeständnissen geführt.
spiegel.de

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