Morgenlage Wirtschaft am Freitag, 4. August 2017

Für Wirtschafts-Entscheider am Freitag, 4. August 2017

– WIRTSCHAFTSNEWS –

Arroganz der Autobauer ärgert die Politik: Nach dem Diesel-Gipfel wächst auch die Kritik in der Politik an den Autobossen, vor allem bei der SPD und den Grünen. Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) bezeichnete die Maßnahmen als nicht weitreichend genug. Er und der Stuttgarter Bürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) halten Fahrverbote weiterhin für möglich. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) will weiterhin über technische Nachrüstungen verhandeln. Die Wirksamkeit der Software-Updates solle “sehr scharf” überprüft werden. Greenpeace-Verkehrsexperte Benjamin Stephan sagt, der Gipfel habe “kein einziges Problem gelöst”. Auch die EU-Kommission will die Ergebnisse kritisch prüfen und sprach von einem “allerersten Schritt”.
sueddeutsche.de

Cum-Ex-Geschäfte kommen vor Gericht: Der größte Steuerbetrug Deutschlands wird ein juristisches Nachspiel haben. Dies berichtet die FAZ exklusiv am Donnerstag. Demnach stehe der Anwalt Hanno Berger als mutmaßlicher Drahtzieher und Erfinder der dubiosen Cum-Ex-Geschäfte unmittelbar vor einer Anklage wegen Steuerhinterziehung. Bei dem Modell hatten sich Investoren die Kapitalertragsteuer mehrfach “erstatten” lassen. Eine Reihe von Banken und Finanzdienstleistern waren beteiligt. Dem Staat ist ein Gesamtschaden von 30 Milliarden Euro entstanden.
faz.net

BMW kann Gewinne steigern: BMW konnte im vergangenen Jahr seinen Gewinn kräftig steigern. Vor allem die 5er und 7er Modelle erwiesen sich als das Rückrat im Autogeschäft. Das Ergebnis verbesserte sich um 9,2 Prozent auf 3,05 Milliarden Euro. Vorstandschef Harald Krüger blickt daher zuversichtlich in das zweite Halbjahr. Allerdings stehen kostspielige Projekte an: die größte Modelloffensive der Firmengeschichte und die Entwicklung der Elektromobilität und des autonomen Fahrens.
handelsblatt.com

Kritik an Niederlande im Eierskandal: Im Skandal um belastete Hühnereier aus den Niederlanden geraten immer mehr die dortigen Behörden in die Kritik. Der europaweit größte Eier-Zertifizierer KAT wirft den Behörden schleppende Zusammenarbeit vor. Die nordrhein-westfälische Landwirtschaftsministerin Christina Schulze Föcking (CDU) erwartet von den niederländischen Behörden endlich ein klares Bild über das Ausmaß. Mindestens drei Millionen mit dem Insektizid Fipronil kontaminierte Eier sind nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums nach Deutschland geliefert worden und in den Handel gelangt. Rewe, Lidl und Aldi Süd haben möglicherweise betroffene Eier bereits aus dem Verkehr gezogen.
spiegel.de

Britische Wirtschaft fürchtet die Brexit-Klippe: Kaum ein Insider glaubt daran, dass bis März 2019 ein Abkommen zwischen den Briten und der EU gelingt. Der britische Finanzminister Philipp Hammond hat deswegen pragmatisch eine dreijährige Übergangsperiode vorgeschlagen. Wirtschaftsverbände fürchten seit langem eine “Brexit-Klippe” und sind entsprechend nervös. Handelsminister Liam Fox erklärte allerdings am Sonntag, von einer Übergangsregelung wisse er nichts. Die widersprüchlichen Aussagen der Regierung verstärken den chaotischen Eindruck, den die Briten bei den Brexit-Verhandlungen machen. Es droht ein harter Brexit, der die EU, noch mehr aber die britische Wirtschaft treffen würde: 53 Prozent der britischen Importe kommen aus der EU, 44 Prozent der Exporte gehen nach Europa.
spiegel.de

Verwendung aus dem Verkauf von Plastiktüten unklar: Seit 1. Juni 2016 zahlen Kunden in vielen Geschäften für eine Plastiktüte an der Supermarktkasse ein paar Cent. Der Handelsverband Deutschland hatte sich mit dem Bundesumweltministerium auf eine derartige Selbstverpflichtung geeinigt. Etwa 350 Unternehmen sind mittlerweile dabei. Und die Maßnahme hat Erfolg: Innerhalb eines Jahres hat sich der Plastiktütenverbrauch von 5,6 Milliarden auf 3,6 Milliarden Tüten verringert. 70 Prozent der herausgegebenen Plastiktüten kosten mittlerweile Geld. Die Einnahmen bleiben in der Regel bei den Unternehmen. Genaue Angaben über die Verwendung der Mittel machen diese in der Regel nicht. Der Umsatz wird auf 375 Millionen Euro geschätzt. Nur ein Bruchteil wird jedenfalls für Umweltprojekte ausgegeben. Kritik wird laut, dass der Verbraucher hier oft getäuscht wird.
sueddeutsche.de

Siemens-Chef Joe Kaeser verlängert Vertrag bis 2021 handelsblatt.com
Bundesfinanzhof: Vereine nur für Männer können nicht gemeinnützig sein sueddeutsche.de
Russland-Geschäfte werden für Siemens wegen US-Sanktionen zum Risiko welt.de

– STRATEGIE & MANAGEMENT –

Männer dominieren die Start-up-Szene: Männer dominieren die Gründer-Szene. In Start-ups liegt der Frauenanteil bei nur 27 Prozent. Nur in jedem sechsten Start-up ist das Geschlechterverhältnis ausgeglichen. Nur in jedem viertem Start-up gehören Frauen zum Gründungsteam. “Es gibt leider immer noch zu wenig Frauen, die sich für ein technisches oder für ein Informatik-Studium entscheiden”, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. Als Konsequenz müsste die digitale Bildung an der Schule verbessert und ein Pflichtfach Informatik eingeführt werden.
handelsblatt.com

Autobranche verliert Bewerber: Die Vertrauenskrise in der Autoindustrie trifft nicht nur Kunden und Mitarbeiter, sondern auch potentielle Bewerber. So verlor Volkswagen innerhalb von drei Jahren die Hälfte seiner Bewerber. “Ich dachte, bevor ich mich jetzt endgültig auf etwas spezialisiere, was in fünf Jahren keiner mehr braucht, wechsle ich lieber”, sagt die 27-jährige Ingenieurin Karin Makowski, die gerader ihren Master in Fahrzeugtechnik mit Schwerpunkt auf Verbrennungsmotoren gemacht hat.
karriere.de

– ANGEZÄHLT –

66 Milliarden Euro umweltschutzbezogenen Umsatz erzielten 2015 deutsche Unternehmen zum Beispiel mit Waren, Bau- und Dienstleistungen, die dem Klimaschutz dienen oder den Energieverbrauch senken und die Energieeffizienz verbessern. Rund 260.000 Stellen hängen am Umweltschutz.
faz.net

– ZITATE –

“Am Mittwoch ist deutlich geworden, wie wichtig die Autoindustrie und der Dieselantrieb für die Wirtschaft und den Wohlstand sind. Ohne diese Branche könnten wir uns einen großen Teil der sozialen Wohltaten überhaupt nicht leisten. Das Geld, das Grüne und Linke gerne verteilen, wird in der Autoindustrie verdient.”

Oliver Zander, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, lobt die Ergebnisse des Autogipfels.
tagesspiegel.de

“Der Dieselgipfel ist natürlich nur ein erster Zwischenschritt. Jetzt kommt es darauf an, die Zusagen der Autoindustrie wasserdicht zu machen. Da darf es keine Kumpanei à la Dobrindt mehr geben.”

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz sieht auch nach dem Diesel-Gipfel viel Raum für die Rechte der Verbraucher.
spiegel.de

– AUS DER TAGESSPIEGEL MORGENLAGE FÜR POLITIK-ENTSCHEIDER –

Greenpeace-Protest am Kanzleramt nach Diesel-Gipfel
Eier-Skandal in 12 Bundesländern
Trauerakt für in Mali abgestürzte Soldaten
Streit um Seenotrettung eskaliert

Zur vollständigen Tagesspiegel Morgenlage für Politik-Entscheider:
morgenlage.tagesspiegel.de/politik

– PETITESSE –

Französischer Fiskus freut sich auf Neymar: Der französische Haushaltsminister Gérald Darmanin frohlockt: Der brasilianische Fußballstar Neymar wechselt zu Paris Saint-Germain. Aber nicht, dass Darmain so ein großer Sportfan wäre, er freut sich vielmehr auf die Steuereinnahmen: “Wenn Neymar wirklich zu einem französischen Club kommt, dann freut sich der Haushaltsminister über die Steuern, die er in Frankreich wird zahlen können”. Aber sei die Rekordablösesumme von 222 Millionen Euro nicht unmoralisch? “Es ist besser, wenn dieser Fußballspieler seine Steuern in Frankreich zahlt als anderswo”, will Darmain davon nichts wissen.
faz.net

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