Morgenlage Wirtschaft am Dienstag, 10. Oktober 2017

Für Wirtschafts-Entscheider am Dienstag, 10. Oktober 2017

– WIRTSCHAFTSNEWS –

Verhaltensökonom Thaler erhält Wirtschaftsnobelpreis: Dass Menschen oft irrational handeln, haben Ökonomen lange ignoriert. Stattdessen sind sie von einem rationalem “Homo Oeconomicus” ausgegangen. Anders als seine Kollegen hat sich der US-Ökonom Richard Thaler mit dieser realitätsfernen Annahme jedoch nicht abgefunden. Thaler habe die Wirtschaft menschlicher gemacht, erklärte die Königlich Schwedische Wissenschaftsakademie am Montag in Stockholm. Der 72-Jährige habe gezeigt, dass begrenzte Rationalität, soziale Vorlieben und mangelnde Selbstbeherrschung Entscheidungen prägen können. “Marktakteure sind menschlich”, betonte Thaler nach der Preisverkündung in einem Telefongespräch mit der Akademie. “Wirtschaftliche Modelle müssen das berücksichtigen.”
tagesspiegel.de, faz.net, spiegel.de, sueddeutsche.de

Air Berlin stellt Flugbetrieb ein: Spätestens am 28. Oktober dürfte der allerletzte Flug mit Air-Berlin-Flugnummer abheben – knapp 40 Jahre nach Gründung der Fluggesellschaft. Dieses Datum nannten Vorstandschef Thomas Winkelmann und der vom Amtsgericht bestellte Generalbevollmächtigte Rechtsanwalt Frank Kebekus am Montag in einer E-Mail an die rund 8.000 Mitarbeiter. Ein eigenwirtschaftlicher Flugverkehr unter dem Airline-Code AB sei nach gegenwärtigem Erkenntnisstand dann nicht mehr möglich, hieß es. Es gibt Ausnahmen: Air Berlin hatte vergangenen Herbst 38 Flieger samt Crews an die Lufthansa-Tochter Eurowings ausgeliehen. Diese sind noch nicht alle umlackiert, fliegen aber weiter. Gleiches gilt – Stand jetzt – auch für Air Berlins kleine Tochtergesellschaft Niki. Außerdem wurde am Montag bekannt: Die Billigfluglinie Easyjet hat  ihr Angebot für 30 Air-Berlin-Flugzeuge reduziert. Nun drohen die Verhandlungen zu scheitern.
tagesspiegel.de, faz.net (Flugbetrieb), tagesspiegel.de (Easyjet)

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Abschied von der Euro-Gruppe: Acht Jahre lang hat Wolfgang Schäuble als Finanzminister die Finanzpolitik auch der EU geprägt. Am Montag hat er sich zum letzten Mal mit seinen Amtskollegen in Luxemburg getroffen. Als Schäuble 2009 Finanzminister wurde, habe der Euro gerade in der Krise gesteckt. “Wir haben in den acht Jahren den Euro stabil gehalten”, zieht Schäuble ein stolzes Fazit und gesteht: Ein gewisser Abschiedsschmerz sei natürlich dabei.
spiegel.de, handelsblatt.com

EZB-Direktorin fordert schrittweises Ende der Anleihenkäufe: EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger hat sich bei einer Veranstaltung in Stuttgart für einen schrittweise Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik der Euro-Notenbank und dem billionenschweren Anleihekäufen ausgesprochen. So solle im nächsten Jahr der Nettoerwerb von Anleihen heruntergeschraubt werden. Die Schlüsselzinsen würden hingegen noch länger niedrig bleiben.
handelsblatt.com

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Future Medicine 2017 – 80 Einblicke in die Zukunft der Medizin an einem Tag
Internationale Spitzenforscherinnen und Spitzenforscher stellen im 3-Minutentakt ihre Arbeit vor und gewähren Einblicke in die Zukunft der Medizin. Veranstaltung auf Englisch. Dienstag, 7. November 2017, im KOSMOS in Berlin. Programm, Sprecher, Stipendien: www.science-match.info

Wirtschaftsvertreter warnen vor CO2-Steuer: Spitzenvertreter der Wirtschaft warnen eine zukünftige Bundesregierung vor weiteren Zusatzkosten für den Klimaschutz. Eric Schweitzer, der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, sagt, die Wirtschaft brauche Entlastungen und keine Belastungen. Er reagiert damit auf Vorschläge von Grünen, von Umweltgruppen und Ökonomen, die das System des europäischen Emissionshandels für wirkungslos halten und eine nationale CO2-Steuer ins Spiel gebracht haben.
faz.net

Stream On: Telekom muss nachbessern: Die Bundesnetzagentur zwingt die Telekom bei ihrem umstrittenen Datentarif “Stream On” zu Nachbesserungen. Einzelne Punkte der zubuchbaren Option würden gegen die Vorschriften der Netzneutralität und des Roaming verstoßen. Bei “Stream On” wird die Nutzung datenintensiver Dienste wie Spotify oder Netflix vom Datenvolumen des Vertrags ausgenommen. Trotz der Kritik im Detail hält die Bundesnetzagentur das Angebot, anders als viele Kritiker, generell für zulässig.
zeit.de, tagesspiegel.de

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Digitalisierung. Ob Fluch oder Segen: hier ist die Anpassungsfähigkeit eines Unternehmens entscheidend. Im ESMT Japanese-German Business Talk, beschreibt Fujifilm Europes Managing Director Go Miyazaki den Weg aus der Krise, die aus einem renommierten Fotofilm-Unternehmen einen international aufgestellten Digitalfotografie-Konzern machte. Anmeldungen zum Event: http://bit.ly/BT_Fuji

BMW erwägt Bau von erstem eigenen Werk in Russland spiegel.de
“Aufwärmer” und “Snacker” sind die Zukunft der Lebensmittelindustrie welt.de
Energieversorger Uniper stemmt sich gegen Übernahme durch den finnischen Konzern Fortnum n-tv.de

– STRATEGIE & MANAGEMENT –

Doppelt so viele Arbeitnehmer “kinderkrank”: Die Anzahl von Fehlzeiten von Eltern, die sich wegen der Krankheit eines Kindes als arbeitsunfähig gemeldet haben, hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt. 2016 wurden 2,455 Millionen Fälle registriert, 2007 waren es 1,06 Millionen. Verdoppelt haben sich auch die Krankheitstage von 2,7 auf 5,5 Millionen. Eltern können sich bis zu zehn Tage im Jahr arbeitsunfähig melden, weil ein Kind krank ist. “Wir brauchen mehr Zeit für Familien und eine familien-freundlichere Arbeitswelt”, sagte die Grünen-Familienpolitikerin Franziska Brandner, die für das Gesundheitsministerium die Daten aufbereitet hat. Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer nannte es erfreulich, dass immer mehr Frauen nach der Geburt eines Kindes in den Job zurückkehren. Dazu gehörten auch Rahmenbedingungen wie die Option, dass Eltern ihr krankes Kind zu Hause betreuen.
faz.net

Korruption als Gefahr für den Mittelstand: Experten warnen: Viele Mittelständler unterschätzen die Gefahr, die von Korruption ausgehen kann. Nach einer Studie des Wirtschaftsprüfers KPMG sehen zwar 80 Prozent der befragten Unternehmen ein hohes und sehr hohes Risiko für deutsche Unternehmen, von wirtschaftskriminellen Handlungen betroffen zu sein. Das eigene Unternehmen halten allerdings nur 32 Prozent für gefährdet. Dabei können gerade kleinere und mittlere Unternehmen bei Aufdeckung von Wirtschaftskriminalität schnell an den Rand ihrer Existenz gedrängt werden.
karriere.de

– ANGEZÄHLT –

Zwei Drittel der Menschen über 70 nutzen das Internet nicht. Bei Rentnern über 75 sind es sogar 78 bis 89 Prozent.
digitalpresent.tagesspiegel.de

– ZITATE –

“Ich habe generell wenig Ängste, und vor Jamaika fürchte ich mich schon gar nicht. Die deutsche Politik braucht frischen Wind. In der großen Koalition ist vieles erstarrt, wichtige Reformen sind nicht angepackt worden. Die neue Regierung, wenn sie denn so kommt, könnte eine Chance für die Wirtschaft sein, wenn die Ziele richtig definiert werden.”

Reinhold von Eben-Worlée, Chef des Familienunternehmerverbands, fordert von einer neuen Bundesregierung schnelle Reformen.
tagesspiegel.de

“Exportweltmeisterschaft finden alle cool und sexy, aber Flächen vor Ort für die Ansiedlung von Produktion, Logistik und Lagerhaltung undenkbar.”

Der Chef der Industriegewerkschaft IG BCE, Michael Vassiliadis, warnt vor einer schleichenden Deindustrialisierung in Deutschland.
faz.net

– AUS DER TAGESSPIEGEL MORGENLAGE FÜR POLITIK-ENTSCHEIDER –

Grüne und FDP kritisieren Flüchtlingskompromiss der Union
Ankara im Clinch mit Berlin und Washington
SPD in Niedersachsen legt zu
Euro-Finanzminister würdigen Schäuble bei letztem Auftritt

Zur vollständigen Tagesspiegel Morgenlage für Politik-Entscheider:
morgenlage.tagesspiegel.de/politik

– PETITESSE –

Frauen stürmen saudische Automesse: Ab Mitte 2008 dürfen Frauen in Saudi-Arabien Autofahren. Dies hatte König Salman per Dekret entschieden. Jahrzehntelang war in dem erzkonservativen islamischen Land das Fahren für Frauen verboten. Die Autokonzerne wittern bereits ein neues Geschäft mit Zweitwägen für saudische Frauen. Auf einer großen Autoshow in Riad durften sie schon einmal hinter dem Steuer Platz nehmen und wurden von den Händlern mit besonderen Angeboten umgarnt.
spiegel.de

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