Morgenlage Wirtschaft am Donnerstag, 27. Juli 2017

Für Wirtschafts-Entscheider am Donnerstag, 27. Juli 2017

– WIRTSCHAFTSNEWS –

EU weiß seit Jahren von Auto-Kartell: Die EU-Kommission soll bereits seit drei Jahren von mutmaßlichen Kartellabsprachen bei den großen deutschen Autoherstellern wissen. Die Selbstanzeige von Daimler, die in dieser Woche publik wurde, stammt demnach aus dem Jahr 2014. Auch das Bundeskartellamt in Bonn war informiert. Porsche, Audi, VW, BMW, Volkswagen und Daimler hatten sich in den Bereichen Technik, Lieferanten und Märkte abgesprochen. Dabei sei auch eine gemeinsame Strategie für Dieselfahrzeuge festgelegt worden, die auch zum Abgasskandal geführt haben soll.
spiegel.de, sueddeutsche.de

Politischer Druck auf VW wächst: Der politische Druck auf den VW-Aufsichtsrat wächst. Die Opposition im niedersächsischen Landtag hat Ministerpräsident Stephan Weil aufgefordert, im Aufsichtsrat von VW “schonungslos reinen Tisch zu machen”. und ggf. personelle Konsequenzen zu fordern. Niedersachsen hat zwei Vertreter im Aufsichtsrat. Am Mittwoch traf sich das Gremium zu einer Dringlichkeitssitzung in Wolfsburg. In einer schriftlichen Stellungnahme hieß es , dass es in vielen Fällen erforderlich und nicht zu beanstanden sei, miteinander zu sprechen. Kern des Konflikts im Aufsichtsrat ist auch, ob der Konzern die Aufsichtsräte über die Absprachen informiert habe. Die einen sagen ja, die anderen wollen vom Kartellskandal erst aus der Zeitung erfahren haben.
faz.net, sueddeutsche.de

Auch die Briten schaffen den Verbrennungsmotor ab: Großbritannien plant ein Verkaufsverbot von Diesel- und Benzinautos bis zum Jahr 2040. Das berichten britische Zeitungen am Mittwoch übereinstimmend unter Berufung auf die britische Regierung. Unter das Verbot sollen auch Hybrid-Autos fallen, die neben einem Elektro- mit einem Benzin- oder Dieselmotor ausgestattet sind. Zur Verbesserung der Luftqualität seien dann nur noch Elektroautos auf britischen Straßen erlaubt. Das Verbot folgt knapp drei Wochen nach der Bekanntgabe Frankreichs, für den Klimaschutz den Verkauf von Verbrennungsmotoren bis 2040 einzustellen. Norwegen hat sich sogar vorgenommen, dass ab 2025 alle Neufahrzeuge emissionsfrei sein sollen.
tagesspiegel.de

Anzeige
BMG, GBA, AMNOG, IQWiG – Wir sprechen die Sprache der Gesundheitspolitik. Gesetze, Stakeholder und Termine im Gesundheitswesen, jede Woche kompakt aufbereitet im Tagesspiegel Politikmonitoring. Testen Sie uns jetzt:
monitoring.tagesspiegel.de oder 030 29021 11424

Volle Züge bei der Bahn: Fahrgastzahlen und die Pünktlichkeit steigen, Umsatz und Ergebnis legen zu – und selbst die angeschlagene Güterbahn will im Gesamtjahr schwarze Zahlen schreiben. Mehr als 68 Millionen Passagiere fuhren IC und ICE – auch weil die Bahn im Wettbewerb mit Fernbussen auf Sonderangebote setzt. Laut Konzernchef Richard Lutz waren 81 Prozent der Züge trotz Unwetters und Anschlägen im Vorfeld des G20-Gipfels pünktlich, hatten also weniger als sechs Minuten Verspätung. Dies ist auch die Zielmarke für das Gesamtjahr. Der Umsatz des DB-Konzerns stieg um gut fünf Prozent auf 21 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern kletterte um etwa 17 Prozent auf 1,18 Milliarden Euro. Für 2017 hob der Bahnchef die Prognose für Umsatz und Gewinn an.
tagesspiegel.de

Werbung sorgt bei Facebook für volle Kassen: Im Vergleich zum Vorjahr konnte der Gewinn um 71 Prozent auf 3,9 Milliarden Dollar gesteigert werden. Der Umsatz konnte um 45 Prozent auf 9,3 Milliarden Dollar gesteigert werden. Dabei wuchsen die Werbeeinnahmen um 47 Prozent auf 9,1 Milliarden Dollar. Den Löwenanteil machen mit 87 Prozent Anzeigen für Mobilgeräte wie Tablets oder Smartphones aus.
handelsblatt.com

Osram setzt in Berlin auf autonomes Fahren: Osram stellt immer weniger Xenon-Lampen her. Als Ersatz für die “sterbenden Produkte” haben sich IG Metall, Betriebsräte und Vorstand nun auf eine “Hightech- Strategie” für die deutschen Werke verständigt. Berlin soll dabei Standort für das Zukunftsgeschäft Autonomes Fahren werden, teilte Osram am Mittwoch mit. Konkret geht es um Technologien zur optischen Abstands- und Geschwindigkeitserkennung. In Berlin werden eine Laser-Produktion und ein Entwicklungszentrum für Software und Innovation aufgebaut.
tagesspiegel.de

US-Finanzinvestor Cerberus steigt mit 5,01 Prozent bei der Commerzbank ein spiegel.de
Zweifel an der Bonität von Galeria Kaufhof sueddeutsche.de
US-Notenbank Fed erhöht die Zinsen nicht handelsblatt.com

– STRATEGIE & MANAGEMENT –

Unternehmen suchen Ferienjobber: Besonders in ländlichen Regionen ringen Unternehmen mit Werbeanzeigen und Aktionen um Saisonkräfte. Es herrscht Vollbeschäftigung und Studenten gibt es nicht. Die Hoffnung ruht daher auf die Unterstützung durch Schüler in den Ferien. Wie ernst die Lage tatsächlich ist, darüber gibt es aber keine Zahlen. Die Agentur für Arbeit und das Statistische Bundesamt erheben in diese Richtung keine Daten. Eine FAZ-Umfrage bei verschiedenen Unternehmen ergibt ein widersprüchliches Bild. Während die einen händeringend suchen, ist bei anderen der Sommer die ruhigste Zeit des Jahres.
faz.net

Aldi Nord bekommt ein neues Gesicht: Aldi Nord will weltweit mit mehr als fünf Milliarden Euro seine Filialen modernisieren. 2.400 Märkte sollen heller und freundlicher werden. Aldi will sich von seinem funktionalen Discounter-Charme lösen und setzt mehr auf Premium. Alle Gesellschafter-Stiftungen haben mittlerweile zugestimmt. Ursprünglich war befürchtet worden, dass ein Familienzwist unter den Erben das Projekt verhindern könnte.
spiegel.de

– ANGEZÄHLT –

191,9 Millionen Dollar verdiente Jamie Dimon als CEO von JP Morgan Chase im Jahr 2016 und ist damit der bestbezahlte Bänker der Welt.
handelsblatt.com

– ZITATE –

“Wir haben Wind unter den Flügeln, aber mental heben wir nicht ab.”

Bahnchef Richard Lutz freut sich über eine erfolgreiche Halbjahresbilanz.
tagesspiegel.de

“Sein Verständnis von künstlicher Intelligenz ist begrenzt.”

Elon Musk kontert über Twitter Facebook-Chef Mark Zuckerberg, der jüngst Musk wegen seiner Forderung nach Regulierung von künstlicher Intelligenz scharf angegangen war und dessen Haltung als Panikmache kritisiert hatte.
faz.net

– AUS DER TAGESSPIEGEL MORGENLAGE FÜR POLITIK-ENTSCHEIDER –

Zwei Bundeswehrsoldaten sterben bei Absturz in Mali
Anti-Terror-Einsatz in Mecklenburg-Vorpommern
49 Ermittlungsverfahren gegen Polizisten nach G20
EU droht den USA wegen neuer Russland-Sanktionen

Zur vollständigen Tagesspiegel Morgenlage für Politik-Entscheider:
morgenlage.tagesspiegel.de/politik

– PETITESSE –

Flugsicherung präsentiert App für Drohnenpiloten: Schon in diesem Jahr könnten eine Million Drohnen im deutschen Luftraum unterwegs sein. Flugsicherungschef Klaus-Dieter Scheurle fürchtet daher auch noch mehr Zwischenfälle, bei denen Drohnen Flugzeugen gefährlich nahe kommen. Im ersten Halbjahr 2017 wurde bereits mit 40 mehr als doppelt so viele Zwischenfälle registriert wie noch 2016. Die deutsche Flugsicherung hat deshalb eine App fürs Smartphone entwickelt, um Drohnenpiloten die Bedienung ihrer Fluggeräte zu erleichtern. Die App zeigt für jeden Standort in Deutschland an, ob Drohnen starten und wie hoch sie fliegen dürfen.
faz.net

morgenlage.tagesspiegel.de erscheint täglich als E-Mail-Newsletter gegen 6 Uhr. Für den Ausdruck hier ein PDF-Dokument herunterladen. Für ein kostenloses E-Mail-Abo einfach hier klicken oder eine E-Mail an abo-mw@tagesspiegel.de schicken.

Morgenlage Wirtschaft am Mittwoch, 26. Juli 2017

Für Wirtschafts-Entscheider am Mittwoch, 26. Juli 2017

– WIRTSCHAFTSNEWS –

Tegel-Sanierung kostet Milliarde: Eine Sanierung des Flughafens Tegel, um einen dauerhaften Betrieb über die BER-Eröffnung hinaus möglich zu machen, würde nach BER-Chef Engelbert Lütke-Daldrup eine Milliarde Euro kosten und sei daher unwirtschaftlich. 550 Millionen würde die Sanierung der Gebäude kosten, 350 Millionen die Erneuerung der Verkehrswege, 250 Millionen die Infrastruktur. Außerdem würden bei einem Doppelbetrieb jährlich 100 bis 200 Euro Betriebskosten anfallen.
faz.net, spiegel.de

Neue Rekordrunde für Ifo-Index: Weiterhin berauschte Stimmung in deutschen Unternehmen. Die Wirtschaft sei unter Volldampf sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Der Chefvolkswirt der VP Bank aus Liechtenstein sprach von “ausgelassener Partystimmung”. Der Geschäftsklimaindex des Ifo-Instituts verzeichnet im Juli den dritten Rekordwert in Folge und stieg noch einmal um 0,8 Punkte auf 116,0 Zähler. Beobachter hatten eigentlich mit einer leichten Eintrübung gerechnet und warnen davor, dass sich die Stimmung von der Realität entferne.
faz.net, spiegel.de

Griechenland ist zurück am Kapitalmarkt: Am Dienstag hat Griechenland erstmals seit 2014 wieder eine fünfjährige Staatsanleihe ausgegeben und etwa drei Milliarden Euro zum Zinssatz zwischen 4,75 und 4,875 Prozent aufgenommen. EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici sprach von einer “spektakulären Verbesserung der Lage in Hellas”. Ministerpräsident Alexis Tsipras setzt mit seiner Entscheidung auf ein Ende der Rezension und auf ein Wachstum der Wirtschaft um 2,1 Prozent in diesem Jahr.
spiegel.de, handelsblatt.com

Kartellstrafen gegen Wellenstyn und Peek & Cloppenburg: Wegen verbotener Preisabsprachen hat das Bundeskartellamt Geldbußen von rund 10,9 Millionen Euro gegen den Kleidungshersteller Wellensteyn und die Handelskette Peek & Cloppenburg Düsseldorf verhängt. Wellensteyn habe dem Textilhandel zwischen 2008 und 2013 Mindestverkaufspreise vorgegeben sowie Preisreduzierungen und den Internetvertrieb untersagt. P&C Düsseldorf habe sich nicht nur auf diese Vorgaben eingelassen, sondern darüber hinaus Wellensteyn selbst dazu aufgefordert, gegen Preisunterschreitungen von anderen Händlern vorzugehen. Derartige Vereinbarungen seien grundsätzlich verboten, betonte die Behörde.
tagesspiegel.de

Facebook startet Marketplace in Deutschland: Das US-Netzwerk Facebook bietet auch seinen deutschen Nutzern demnächst die Möglichkeit an, Gegenstände anzubieten und zu verkaufen. Im vergangenen Herbst hatte das Unternehmen seinen “Marketplace” in den USA, Großbritannien, Australien und Neuseeland gestartet. Diese Funktion soll noch im Juli auch in weiteren europäischen Ländern freigeschaltet werden. Als erstes soll der Flohmarkt in Irland, Italien, Portugal und Spanien starten. Es folgen Deutschland, Frankreich und die Benelux-Staaten. Nach dem Zeitplan soll der Marktplatz hierzulande Mitte August sichtbar sein.
tagesspiegel.de

Bankgebühren für SMS-Tan sind rechtens: Banken und Sparkassen dürfen Gebühren für die Versendung einer Transaktionsnummer (TAN) auf das Handy ihrer Kunden per SMS erheben. Dies ist aber nur dann zulässig, wenn der Kunde mit dieser SMS-TAN anschließend einen Zahlungsauftrag erfolgreich durchführt, entschied der Bundesgerichtshof in einem am Dienstag in Karlsruhe verkündeten Urteil. Vertragsklauseln, wonach “jede” übermittelte SMS-TAN eine Gebühr kostet, sind demnach ungültig. Im Ausgangsfall hatte der Verbraucherzentrale Bundesverband geklagt, weil die Kreissparkasse in Groß-Gerau zehn Cent für jede von ihr verschickte SMS-TAN forderte.
tagesspiegel.de, spiegel.de

US-Modekonzern Michael Kors kauft Luxus-Schuhmarke Jimmy Choo tagesspiegel.de
Abgasskandal am Mittwoh auf der Tagesordnung der EU-Kommission handelsblatt.com
BMW fühlt sich von Daimler hintergangen und bricht Gespräche über ein gemeinsames Netz für Elektro-Tankstellen ab sueddeutsche.de

– STRATEGIE & MANAGEMENT –

Influencer-Marketing: Die sogenannten Influencer sind für Mode- und Style-Produkte mittlerweile wichtiger als die Werbung mit Prominenten. Um die 20.000 Follower hat ein durchschnittlicher  Influencer – weil sie Schminktipps geben, gekonnt Klamotten kombinieren oder einfach nur hübsch sind. Sie bekommen Produktpakete geschickt, Anreise und Hotelzimmer bezahlt, damit sie irgendwann ihr Smartphone aus dem Handtäschchen holen, ein Foto schießen und es bei Instagram, Facebook oder Snapchat hochladen. 250 Euro aufwärts pro Foto-Post kostet das, heißt es. Je nach Bekanntheitsgrad, Gesicht und Gelegenheit sind es auch schon mal ein paar tausend Euro. Das Problem: Viele in der jugendlichen Zielgruppe sind für Werber sonst nur noch schwer zu erreichen.  Die Zielgruppe sieht nicht fern, sondern YouTube, liest keine Magazine, sondern Blogs.
tagesspiegel.de

Brexit gefährdet deutsche Lieferketten: Lieferketten für die deutschen Schlüsselindustrien könnten nach Meinung von Berthold Busch vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft in Köln durch den Brexit im schlimmsten Fall gesprengt werden. So lieferten im Jahr 2014 die Briten für 36 Milliarden Euro Vorleistungen nach Deutschland. Zölle und andere Kosten gefährden nun diese Zusammenarbeit, sollten sich die Briten und die EU nicht auf ein Freihandelsabkommen einigen.
spiegel.de

– ANGEZÄHLT –

92 Prozent der Deutschen wollen die Türkei im Urlaub meiden. Für lediglich 6,4 Prozent kommt das Land trotz der aktuellen politischen Lage in Frage.
spiegel.de

– ZITATE –

“Ich denke Menschen, die Schwarzseher sind und die versuchen, diese Untergangsszenarien hoch zu halten – ich verstehe das nicht. Das ist wirklich negativ, und in mancher Hinsicht, denke ich, ist es auch unverantwortlich.”

Facebook-Gründer Marc Zuckerberg  hält Tesla-Gründer Elon Musk für unverantwortlich, der jüngst die künstliche Intelligenz als größte Gefahr für die Zivilisation bezeichnet hatte.
faz.net

“Der Aufsichtsrat muss ganz sicher nicht belehrt werden, wie er seine Arbeit zu tun hat. Die Äußerungen von Herrn Hück sind alles andere als hilfreich.”

VW-Chef Matthias Müller wehrt sich gegen Angriffe von Porsche-Betriebsrat Uwe Hück, der personelle Konsequenzen aus den jüngsten Kartellvorwürfen gefordert hatte.
handelsblatt.com

– AUS DER TAGESSPIEGEL MORGENLAGE FÜR POLITIK-ENTSCHEIDER –

Türkei signalisiert keinerlei Kompromissbereitschaft
BAMF stellt neue Systeme zur Identitätsprüfung vor
Trump demontiert Justizminister
Mainzer AfD-Spitzenkandidat angeklagt

Zur vollständigen Tagesspiegel Morgenlage für Politik-Entscheider:
morgenlage.tagesspiegel.de/politik

– PETITESSE –

Bei Bahlsen ist wieder alles im Butter: In ganz Europa wird der berühmte Keks mit den 51 Zähnen wieder mit Butter gebacken. In Osteuropa hatte der Konzern den Keks mit Palmöl hergestellt, worauf es in Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn zu Protesten gegen den Lebensmittelkonzern kam. Das Gute für den Westen, die Reste für den Osten, so lautete der Vorwurf.  “Lebensmittel-Rassismus” nannte die Praxis die polnische Zeitung Gazeta Prawna. Bahlsen ist nicht der einzige Konzern, der unterschiedliche Herstellungsvarianten für unterschiedliche Märkte anbietet. So enthalten Iglos Fischstäbchen auch künftig in Deutschland und Österreich 65 Prozent Fisch, aber nur 58 Prozent im Rest der EU.
sueddeutsche.de

morgenlage.tagesspiegel.de erscheint täglich als E-Mail-Newsletter gegen 6 Uhr. Für den Ausdruck hier ein PDF-Dokument herunterladen. Für ein kostenloses E-Mail-Abo einfach hier klicken oder eine E-Mail an abo-mw@tagesspiegel.de schicken.

Morgenlage Wirtschaft am Dienstag, 25. Juli 2017

Für Wirtschafts-Entscheider am Dienstag, 25. Juli 2017

– WIRTSCHAFTSNEWS –

Nach dem Kartellerdbeben: Die EU-Kommission hat bei der Aufklärung der Kartellvorwürfe gegen fünf deutsche Autokonzerne die Federführung übernommen. Direkt einschalten will sich die Bundesregierung nicht. “Die Kartellbehörden arbeiten aus gutem Grund unabhängig”, sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer am Montag. Das Bundeskartellamt erklärte, derzeit kein offizielles Verfahren zum Thema zu führen. Volkswagen rief seine Aufsichtsräte zu einer Sondersitzung am kommenden Mittwoch zusammen. An der Börse gaben die Kurse von BMW, Daimler und Volkswagen am Montag weiter nach. Umweltverbände sowie Grüne und Linke griffen die Regierung und Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) wegen Versäumnissen bei der Kontrolle der Autoindustrie an.
tagesspiegel.de, sueddeutsche.de, handelsblatt.com

Daimler kam VW mit Selbstanzeige zuvor: Wie Süddeutsche Zeitung, NDR und WDR am Montag berichten hat sich Daimler wesentlich früher als VW selbst bei den Wettbewerbsbehörden wegen eines mutmaßlichen Kartells in der Autoindustrie angezeigt. Dies könnte bedeuten, dass im Falle einer Verurteilung durch die EU-Kommission Daimler straffrei bleiben könnte. Für Volkswagen wäre allenfalls ein Straferlass in Höhe von 50 Prozent möglich. Auf die Unternehmen könnten Strafen in Milliardenhhöhe zukommen, sollte sich der Verdacht erhärten.
faz.net, spiegel.de, sueddeutsche.de, handelsblatt.com, welt.de

Ryanair will Alitalia übernehmen: Die irische Fluggesellschaft Ryanair will den defizitären italienischen Konkurrenten Alitalia übernehmen. Ryanair habe ein unverbindliches Angebot gemacht, teilte das Unternehmen am Montag in London mit. Da es sich  um die “größte Airline in Italien” handle, sei es wichtig, dass Ryanair in den Prozess um den Kauf des Unternehmens involviert sei. Ryanair ist nach Passagierzahlen die größte Fluggesellschaft in Europa.
spiegel.de, welt.de

EU droht Türkei mit wirtschaftlichen Konsequenzen: Angesicht anhaltender Spannungen hat nun auch die EU-Kommission die Türkei vor wirtschaftlichen Konsequenzen gewarnt. EU-Erweiterungskommissar Johannes Hahn sagte, der Konflikt schade dem Tourismus und Investitionen in der Türkei. Das Vorgehen gegen Regierungskritiker und Journalisten zeige, wie sehr sich das Land von europäischen Werten entfernt habe. Die Finanzhilfen für die Türkei mit Blick auf einen EU-Beitritt könnten allerdings nicht einfach gestoppt werden. Am Dienstag kommt es zu einem Treffen des türkischen Außenministers Mevlüt Cavusoglu und Europaminister Ömer Celik mit Spitzen der EU in Brüssel.
spiegel.de

Auch Sparkassen in Cum-Cum-Geschäfte verwickelt: Jahrelang haben deutsche Banken ausländischen Aktionären geholfen, den Fiskus auszutricksen. Sie schoben Aktien so untereinander hin und her, dass der ausländische Investor Steuern, die er eigentlich hätte zahlen müssen, umgehen konnte. Schätzungen zufolge könnten dem deutschen Fiskus dadurch 50 bis 80 Milliarden Euro an Steuern entgangen sein. Das Bundesfinanzministerium hat die Geschäfte inzwischen größtenteils als rechtswidrig eingestuft. Umso schwerer wiegt da, dass offenbar selbst Sparkassen bei den Deals mitgemischt haben. Das bestätigt der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV). Die Zahl der beteiligten Institute liege vermutlich “im niedrigen zweistelligen Bereich”.
tagesspiegel.de

Aldi schafft die Einwegtüte ab: Aldi Süd und Aldi Nord verkaufen als erster großer Lebensmittelhändler in Deutschland keine Plastiktüten mehr und bieten nur noch Mehrwegtüten an. Auch Papiertüten soll es nicht mehr geben. Diese böten wegen ihres hohen Wasser- und Energieverbrauchs bei der Produktion keine nachhaltige Alternative. Die zukünftigen Tragetaschen bestünden zu 80 Prozent aus aus Recyclingmaterial und seien sogar stabiler als Plastiktüten. Zunächst werden die Tüten im Raum München und im Raum Berlin angeboten. Bis Ende 2018 soll die Umstellung dann im gesamten Bundesgebiet erfolgt sein.
faz.net, spiegel.de, handelsblatt.com, welt.de

Griechenland wagt nach drei Jahren Rückkehr an den Kapitalmarkt spiegel.de
Mastercard führt die EC-Karte wieder ein handelsblatt.com
Brexit macht deutsche Waren für britische Verbraucher teurer welt.de

– STRATEGIE & MANAGEMENT –

Innovationsatlas sieht den Süden vorn: Nach dem ersten Innovationsatlas des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW), der am Montag in Berlin vorgestellt wurde, werden nirgendwo in Deutschland so viele Patente angemeldet, wie in Bayern und Baden-Württemberg. Der Raum Stuttgart liegt mit 577 Patentanmeldungen pro 100.000 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigen bundesweit an der Spitze. Zum Vergleich: In Berlin sind es 53. “Würde das ganze Land wie in Baden-Württemberg und Bayern forschen, lägen wir im internationalen Vergleich auf Platz eins”, sagt IW-Wissenschaftler Oliver Koppel.
tagesspiegel.de, spiegel.de, welt.de

Möbel aus Botswana erobern die Welt: Der Schreiner und Schnitzer Peter Mabeo aus Botswana erobert die internationale Designszene und bringt afrikanisches Kunsthandwerk und internationales Design zusammen. Der “Maun Windsor Chair”, ein Hybrid aus Häuptlingssessel und puristischem Shaker-Stuhl, wurde erfolgreich auf der International Contemporary Furniture Fair in New York gezeigt. Auf der Mailänder Messe präsentierte er dieses Jahr die neue “Zezuru”-Kollektion der französischen Nachwuchsdesignerin Inès Bressand. Abfallprodukte aus der Bauindustrie werden zu kunstvollen Schränken und Schemeln. “Durch gemeinsames Ausprobieren und Verwerfen entstehen coole, zeitgemäße und menschliche Möbel, die zugleich in Afrika und Europa, in Gaborone und Mailand ihre Ursprünge haben,” erklärt Mabeo seine Arbeitsweise.
faz.net

– ANGEZÄHLT –

Durch die anhaltenden Niedrigzinsen wurde Deutschland seit dem Jahr 2008 um 240 Milliarden Euro entlastet. Bei den Ländern der Währungsunion im Gesamten war es sogar eine Billion Euro.
spiegel.de

– ZITATE –

“Ja. Es wird sogar immer mehr. Bei der Einführung des Euro-Bargelds am 1. Januar 2002 waren es 220 Milliarden Euro, die in Umlauf gebracht wurden. Ende 2004 waren es schon 500 Milliarden Euro, Ende 2014 rund 1.000 Milliarden. Wir haben in den vergangenen Jahren ein Bargeldwachstum von sechs Prozent pro Jahr gehabt.”

Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele glaubt nicht an die Abschaffung des Bargeldes – im Gegenteil.
tagesspiegel.de

“Man kann inzwischen wieder guten Gewissens in fast allen Ländern in Bankaktien investieren, außer in Deutschland. Langfristige Investments in Deutsche Bank und Commerzbank sollten gut überlegt werden, denn die Probleme der Banken sind einfach zu groß.”

Aktienhändler Stefan de Schutter vom Brokerhaus Alpha Trading rät trotz guter Zuwächse von einem Investment in heimische Banken ab.
handelsblatt.com

– AUS DER TAGESSPIEGEL MORGENLAGE FÜR POLITIK-ENTSCHEIDER –

Flüchtlingsthema zurück im Wahlkampf
Gespräch im Normandie-Format über Ukraine-Krise
Kusher dementiert geheime Absprachen mit Russland
Verteidigungsministerin von der Leyen will 70 Mio. in Hammelburg investieren

Zur vollständigen Tagesspiegel Morgenlage für Politik-Entscheider:
morgenlage.tagesspiegel.de/politik

– PETITESSE –

Emojis kommen ins Kino und ein Deutscher verdient mit: Anfang August kommt “Emoji – Der Film” ins Kino. Darin werden der lachende Kackhaufen und all die anderen beliebten Bildchen zum Leben erweckt und müssen im Handy allerlei Abenteuer bestehen. Neben dem Filmstudio Sony Pictures, das so mit der Popularität der Piktogramme Kasse machen will, ist es jedoch vor allem ein Deutscher, der am Emoji-Boom gut verdient. Marco Hüsges heißt der große Profiteur, seitdem er 2013 im Urlaub am Strand in Kroatien auf die clevere Idee kam, sich die Wortmarke “Emoji” schützen zu lassen. Seine Emoji Company vergibt aber nicht nur das Recht, den Namen zu nutzen, sondern sie entwickelt eigene Variationen der Bildchen, mit denen die Kunden ihre Produkte gestalten können. Die Emojis gibt es dann als Kissen oder in Keksform zu kaufen, sie finden sich auf Sonnenbrillen, Tassen bis zu Chips.
tagesspiegel.de

morgenlage.tagesspiegel.de erscheint täglich als E-Mail-Newsletter gegen 6 Uhr. Für den Ausdruck hier ein PDF-Dokument herunterladen. Für ein kostenloses E-Mail-Abo einfach hier klicken oder eine E-Mail an abo-mw@tagesspiegel.de schicken.